Ein Faustisch Leben - Goethes' Faust unter freiem Himmel erleben
Von Kerstin Bendix-Karsten (Weser Kurier)
Ein "Faustisch Leben" heißt das Stück, mit dem das erste Freilichttheater in Delmenhorst am 21. Juli Premiere feiert. Angst vor Goethes Klassiker muss niemand haben, versprechen die Darsteller.
100 Stühle und eine Bühne werden an diesem Wochenende auf der Wiese neben der Delmenhorster Stadtkirche aufgebaut. Der Grund: Am Sonntag, 21. Juli, startet die erste Freilichttheaterreihe in Delmenhorst. Die Delmödianten, wie sich der Theatermacher Marcel Krohn, der Delmenhorster Schauspieler Johannes Mitternacht und die in Bremen wohnhafte Schauspielerin Marie-Theres Schwinn nennen, werden das Stück „Ein Faustisch Leben“ aufführen. Danach sind noch sechs weitere Aufführungen geplant: am 27. Juli, 28. Juli, 3. August, 4. August, 10. August und 11. August. Gespielt wird sonnabends um 20 Uhr und sonntags um 18 Uhr.
Die Proben für das Freilichttheater laufen seit knapp einem Monat. "Wir proben fast jeden Tag", sagt Marcel Krohn, der die Idee zu der Freilichtaufführung hatte. Im Frühherbst des vergangenen Jahres war der gebürtige Oldenburger in Delmenhorst unterwegs und entdeckte zufällig die Wiese an der Stadtkirche. Dabei sei ihm sofort ein Gedanke in den Sinn gekommen: „Das wäre ein toller Ort für Freilichttheater mit den schönen Bäumen und der Kirchenfassade im Hintergrund.“ Als Krohn mit diesem Gedanken auf die Verantwortlichen der Stadtkirche zukam, stieß er sofort auf offene Ohren. „So lässt sich der Kirchenwiese im Sommer eine andere Lebendigkeit einhauchen“, sagt Pastor Johann Lehmhaus.
Das geplante Freilichttheater hat der Initiator Krohn bewusst nicht „ganz groß dimensioniert“, wie er sagt, auch wenn das ausgewählte Stück, nämlich eine Bearbeitung von Goethes Faust I, „natürlich groß“ sei. Neben ihm selbst werden mit Mitternacht und Schwinn nur noch zwei weitere professionelle Schauspieler auf der Bühne stehen. Ergänzt wird das Ensemble durch acht Nichtprofis, die unter anderem die Rollen als Bürger, Valentin und Einflüsterin übernehmen. Krohn, der zugleich Leiter der inklusiven Theatergruppe „Eden“ in Lemwerder ist, bindet dabei auch Menschen mit Behinderungen als Darsteller ein. Denn das Projekt soll auch einen Beitrag leisten, Berührungsängste zu beseitigen und Empathie wachzuhalten.
Keine Angst vor Faust
Dass für das erste Freilichttheater in Delmenhorst die Wahl auf Faust fiel, ist vor allem der persönlichen Vorliebe von Marcel Krohn für Klassiker geschuldet. Angst davor müsse jedoch niemand haben. „Man braucht kein Vorwissen“, verspricht Krohn, der in die Rolle des Faust und Herrn schlüpfen wird. Zum einen werde das Stück heruntergebrochen. Zum anderen soll es Kommentierungen seitens der Schauspieler während des Stücks geben. „Wir werden interpretieren und einordnen – mit Augenzwinkern und Humor. Dadurch wird das Stück verständlicher und zugänglicher“, sagt die Schauspielerin Marie-Theres Schwinn, die die Rolle der Gretchen und des Wagner übernehmen wird. Geplant sei außerdem, das Stück zwar mehrheitlich in der Sprache von Goethe zu belassen, zwischendurch jedoch kleine Einwürfe aus heutigem Sprachschatz einzubauen.
Den Mephisto wird Johannes Mitternacht übernehmen. Den Delmenhorster Schauspieler reizen an der Rolle vor allem die „Facetten des Bösen“. Anders als für Martin Luther sei der Teufel für ihn keine reale Gestalt, sondern eine „Institution, die ich in mir wahrnehmen kann“. Mephisto sei ein Einflüsterer, der versucht, Faust auf seine Seite zu ziehen. „Das kennen wir doch alle“, meint Mitternacht und verweist beispielhaft auf Menschen, die anderen versuchen, etwas einzureden.
Die Vorfreude auf das erste Freilichttheater in Delmenhorst ist bei allen Darstellern groß. "Wir fiebern der Premiere entgegen", sagt Marcel Krohn. Der Theatermacher hofft, dass das Wetter mitspielt: "So wie es jetzt ist, kann es gern bleiben." Sollte es anders kommen, gibt es jedoch einen Notfallplan. "Wir können in die Kirche ausweichen", sagt Krohn. Atmosphärisch sei dies allerdings nicht das Gleiche.
Für Kirche ein Testballon
Für die Citykirche als Veranstalter ist die Freilichttheaterreihe ein Testballon. Sollte die Resonanz gut sein, lässt sich laut Pastor Lehmhaus auch an eine dauerhafte Etablierung in der Sommerzeit denken: „Das wäre eine schöne Sommerbeschäftigung, um den Kirchplatz zu beleben.“