Ein Mittsommernachtsmischmasch - Delmödianten jagen Shakespeare durch den Mixer
Von Marco Julius (Delmenhorster Kreisblatt)
Zwischen Spaziergang und Parforceritt: Beim Sommertheater in Delmenhorst inszenieren die Delmödianten Shakespeares Werke als „Mittsommernachtsmischmasch“. Ein echtes Vergnügen.
Was war das? Ein Parforceritt, klar. Ein Kraftakt. Ein albernes Vergnügen. Ein Spiel im wahrsten Sinne des Wortes. Ein tiefgründiges Stück Theater zuweilen auch. Schweißtreibend bei stets hochsommerlichen Temperaturen. Was sicher ist, um einmal im Kontext zu bleiben: Ist dies schon Wahnsinn, so hat es doch Methode. Die Schauspieler Johannes Mitternacht und Ramona Krohn haben mit einem „Mittsommernachtsmischmasch“ rezitierend, schauspielernd, spielend im besten Sinne, William Shakespeare durch den Wolf gedreht und neu gemixt. Als Teil des Sommertheaters an der Stadtkirche haben sie am Sonntag das Publikum an die Hand genommen, und Szene für Szene auf einen Spaziergang rund um die Kirche entführt. Der Applaus am Ende war ehrlich, die gerufenen Worte des Dankes ebenso. Wer dabei war, hat, auch dank der Regie von Marcel Krohn, einen außergewöhnlichen Nachmittag verbracht.
Ein "Mittsommernachtsmischmasch" ohne Angst vor Klamauk
Der olle Shakespeare, bereits 1616 in Stratford-upon-Avon aus dieser Welt geschieden, ist auch über 400 Jahre nach seinem Tode noch immer präsent. Ein Klassiker. Ein Theatergigant. Dass man ihn ab und zu entstauben muss, haben die Delmödianten natürlich erkannt und für ihr Sommertheater 2025 umgesetzt. Und dieser „Mittsommernachtsmischmasch“ ist eben das. Eine Böe, die durch das Werk fährt. Ohne Angst vor Klamauk und Albernheiten, Shakespeare war ja auch ein großer Komödiant, jagen Mitternacht und Krohn voller Spielfreude und mit großem körperlichen Einsatz durch zahllose Stücke. Nachtigall, ick hör Dir trapsen! Oder besser: „Es war die Nachtigall und nicht die Lerche.“
Nur echte Kenner können am Ende sagen, wie viele Stücke des englischen Dichters hier in die Mangel genommen, kurz angespielt und köstlich verwoben werden. Ein Dutzend? Mehr? Und wie viele Rollen es sind, die von der einfachen Alltagssprache bis zur gehobenen Hofsprache alles in die Welt posaunen, brüllen, flüstern, jammern, wispern. Sie sind ja alle da. To name but a few: Romeo und Julia. Hamlet. Macbeth. Richard III. und natürlich Puck. Ramona Krohn gibt dem Kobold eine ungewöhnliche Energie. Sie hüpft und springt, klettert, verrenkt die Glieder, fängt das Publikum ein und führt es von Szene zu Szene. Eben noch vor der Kirche, plötzlich aus dem Fenster des Kirchenbüros lukend, dann in der Kirche, im Garten, im Grün des benachbarten Teehauses gar. Atemlos geht es durch die Welt Shakespeares. Ein großes Vergnügen, weil hier zwei Menschen wirklich spielen. Stimme. Mimik, Gestik. Die ganze Klaviatur. Ein Vergnügen übrigens auch, ahnungslose Passanten zu sehen, die dem Schauspiel während des Spazierganges kurz (und arg verwundert) beiwohnen.
Bei der Sterbeszene fließt echtes Blut
Dass Trump, Orban und Putin eine Breitseite bekommen, wird mit Applaus bedacht. Ebenso, dass durchaus improvisiert wird, wenn Düsenflugzeuge den Himmel kreuzen. Und dass Mitternacht in einer Sterbeszene ins satte Grün fällt, als wäre er ein preisgekrönter Stuntman, ein kleiner Riss in der Wange zeugt davon, ist ein weiterer Beleg dafür, wie sehr sich das Duo ins Zeug gelegt hat, Shakespeare mal so richtig durchzuschütteln, aber dennoch immer ernst zu nehmen. Ganz Dänemark mag ein Gefängnis sein: Der Gang rund um die Stadtkirche wird zu einer Art Befreiung. Ein Königreich für eine Wiederholung. Und die gibt es am Sonntag, 27. Juli, 15 Uhr, zu erleben. Sein oder Nichtsein: Das ist hier gar nicht die Frage. Hin da!